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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: So reagierst Du richtig

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: So reagierst Du richtig
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Inhalt:
  1. Was versteht man eigentlich unter sexueller Belästigung?
  2. Was passiert, wenn der Täter alles abstreitet?
  3. Wer hilft Dir?
  4. Gehe in die Offensive!

Die ersten Monate Deiner Ausbildung sind vorbei, doch so richtig zufrieden bist Du noch immer nicht mit dem Arbeitgeber. Irgendwie wirst Du das Gefühl nicht los, ständig auf Dein Aussehen angesprochen zu werden; immer wieder fällt seine Hand auf Deinen Oberschenkel oder auf Deine Hüften. Du fühlst Dich unwohl. Kann es sein, dass Du sexuell belästigt wirst? Was ist sexuelle Belästigung tatsächlich und wie kann man sich davor schützen?

Was versteht man eigentlich unter sexueller Belästigung?

Leider kommt sexuelle Belästigung wohl häufiger vor als Du denkst. Studien haben bereits bestätigt, dass rund 20 Prozent aller Frauen, die derzeit in Deutschland leben, schon einmal im Zuge Ihrer Ausbildung oder auch während der Ausübung Ihrer Arbeit sexuell belästigt wurden. Die Zahlen zeigen also eindeutig, dass Du nicht alleine bist, wenn Du während der Ausbildung sexuell belästigt wirst. Das heißt aber noch lange nicht, dass es sexuelle Belästigung "normal" ist. Ganz im Gegenteil - wirst Du sexuell belästigt, dann musst Du sofort die Initiative ergreifen und in die Offensive gehen. Doch was ist eine sexuelle Belästigung überhaupt? Sind das schon "schlüpfrige Witze" oder tatsächlich erst unsittliche Berührungen oder Aufforderungen zu sexuellen Handlungen?

Der § 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes definiert die sexuelle Belästigung derart, dass ein "unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, sexuelle Bemerkungen oder auch körperliche Berührungen" die Würde der Person verletzen, sodass von einer sexuellen Belästigung dann ausgegangen werden muss, wenn die Voraussetzungen des § 3 erfüllt sind. Du musst Dir immer selbst die Frage beantworten, ob die Handlung "harmlos" war oder mitunter bereits alle Voraussetzungen den Tatbestand der sexuellen Belästigung erfüllten.

Folgende Situationen können sehr wohl schon sexuelle Belästigung sein und sollten keinesfalls ignoriert werden:

  • Anzügliche Witze
  • Sexuelle Bemerkungen
  • Körperliches Berühren und auch unnötiger Körperkontakt (Berühren der Brust, Berühren des Hinterteils)
  • Aufforderung zu sexuellen Handlungen
  • Präsentation pornografischer Bilder

Auch das Versprechen, im Zuge sexueller Handlungen einen beruflichen Vorteil zu bekommen, ist genauso eine sexuelle Belästigung wie die Drohung, dass man etwaige Nachteile erlebt, wenn man sexuelle Handlungen verweigert.

Hast Du derartige Erfahrungen gemacht? Du solltest derartige Situationen nicht einfach ignorieren und hinnehmen, weil Du eben "die Neue" oder "die Auszubildende" bist. Du musst sexuelle Belästigung bei der Ausbildung immer ernst nehmen. Werde also aktiv - habe keine Angst vor dem Verlust Deines Ausbildungsplatzes, wenn Du aufzeigst, was Dir angetan wird. Sexuelle Belästigungen haben weitreichende Folgen: Du erleidest einen Motivationsverlust, es kommt zu seelischen und körperlichen Krankheiten (Essstörung, Depression, Angst, Alpträume, Schlafstörungen, Kopfschmerzen) - mitunter willst Du auch Deine Ausbildung abbrechen. Wenn Du nicht reagierst, dann gewinnt immer der Täter. Das wirst Du mit Sicherheit nicht wollen!

Was passiert, wenn der Täter alles abstreitet?

Immer wieder sind es die weiblichen Auszubildenden, die sexuell belästigt werden. Die potentiellen Täter haben hier in der Regel zwei Gründe: Einerseits bewirken Attraktivität und Jugend einen ungeahnten Hormonschub, andererseits sind viele junge Mädchen auch noch unsicher und wissen nicht, wie sie richtig reagieren. Die "Angst", den etablierten Kollegen zu verpetzen, ist natürlich immer da - diese "Angst" wird gerne ausgenutzt, weil "die Neue" ja nicht ihre Ausbildungsstelle verlieren wird. Am Ende spielt es aber keine Rolle, welches Motiv tatsächlich vorliegt - wurdest Du sexuell belästigst, musst Du die Situation sofort melden. Selbst dann, wenn es nur ein "Spaß" war, ist es keinesfalls zu akzeptieren, wenn Dir der Kollege auf den Hintern greift oder Deine Brüste berührt. Auch Aufforderungen zu sexuellen Handlungen sind kein "Spaß". Nur dann, wenn Du reagierst, kann gegen den Täter vorgegangen werden.

Natürlich steht auch immer wieder Aussage gegen Aussage. Wird die Auszubildende vom Kollegen sexuell belästigt, so wird dieser die Belästigung natürlich abstreiten. Kaum ein Täter wird zugeben, dem Opfer absichtlich auf die Brust gegriffen zu haben. Der Chef muss in diesem Fall einschreiten und den Mitarbeiter kündigen (oder zumindest verwarnen, wenn es bislang keine Meldungen gab). Derartige Fälle gibt es leider immer wieder; auch das Hessische Landesarbeitsgericht und das Arbeitsgericht Limburg haben sich mit derartigen Probleme befasst. Auch wenn die Vorfälle nicht immer zu 100 Prozent von den Opfern belegt werden können, so reichen dennoch ein paar Beweise (genaue Dokumentationen, sofortige Meldung an den Vorgesetzten und dergleichen), sodass die Kündigung in Rechtskraft erwächst, sofern der Mitarbeiter der Ansicht ist, er sei zu Unrecht beschuldigt worden.

Wer hilft Dir?

Du hast als Auszubildende Rechte und auch Pflichten. Doch weißt Du auch, welche Pflichten Dein Ausbilder hat? Er muss darauf achten, dass Du nicht körperlich und sittlich gefährdet wirst. Genau deshalb musst Du immer den Ausbilder in Kenntnis setzen, wenn Du Opfer einer sexuellen Belästigung wirst. Schildere Deinem Ausbilder die Art und Weise der Belästigung. Du musst in diesem Fall auch angeben, wer Dich belästigt hat. Habe keine Angst davor - Dein Ausbilder wird Dich unterstützen und Dir helfen.

Doch was passiert, wenn es der Ausbilder ist, der Dich sexuell belästigt? In diesem Fall musst Du sofort den Chef in Kenntnis setzen. Dieser soll erfahren, wie die Mitarbeiter mit den Auszubildenden umgehen. In weiterer Folge entscheidet der Chef, ob er den Mitarbeiter verwarnt oder kündigt. Nur dann, wenn Du sofort reagierst, kannst Du diesem Treiben auch ein sofortiges Ende setzen. Zögerst Du oder ignorierst die sexuellen Belästigungen, so kann es durchaus vorkommen, dass Du keine Freude mehr an der Ausbildung hast und den Ausbildungsplatz aufgeben wirst. Doch damit hast Du zwei Fehler begangen: Einerseits hast Du Dir eine gute Chance entgehen lassen, wenn Dir die Ausbildung gefallen hat, andererseits stehen die Chancen hoch, dass Deine Nachfolgerinnen ebenfalls sexuell belästigt werden. Zögere also nicht, wenn es zu Missständen kommt und zeige diese auf. Nur dann, wenn Du in die Offensive gehst, kannst Du dem Horror ein Ende setzen.

Gehe in die Offensive!

Du brauchst keine Angst vor den Konsequenzen haben, weil der Chef oder der Vorgesetzte immer auf Deiner Seite sind. Sie werden dafür sorgen, dass Du Dich wieder sicher fühlst - nur dann, wenn Du den Täter auch meldest, kann sich die Atmosphäre im Betrieb wieder verändern. Auch wenn es vielleicht Überwindung kostet, so wirst Du davon profitieren, wenn der Täter vom Vorgesetzten auf sein untragbares Verhalten angesprochen wird.

Du musst Dich immer zur Wehr setzen! Sage dem Täter, dass Du sein Verhalten nicht duldest - er soll seine Bemerkungen oder die Versuche, Dich anzufassen, sofort und auch dauerhaft unterlassen. Wirst Du ignoriert und der Täter macht weiter, solltest Du die Belästigungen dokumentieren und in weiterer Folge den Ausbilder oder Chef kontaktieren. Notiere dabei die Art der Belästigung, Datum und Uhrzeit und versuche mitunter auch Beweise zu sammeln. Heutzutage hat jedes Smartphone eine Kamera inklusive einer Video-Funktion. Du kannst also heimliche Aufnahmen machen, die am Ende bestätigen, dass Du Opfer einer sexuellen Belästigung warst.

Eine weitere Möglichkeit sind Beratungsstellen. Hier darfst Du ebenfalls nicht lange warten. Wenn Du Opfer von sexueller Belästigung wirst, wirst Du unsicher, hast Angst und kannst Dich am Ende auch nicht mehr zu 100 Prozent auf Deine Arbeit konzentrieren. Informationen findest Du beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (Telefonnummer: 08000 116 016) Das Hilfe-Telefon ist 365 Tage im Jahr, 24 Stunden, besetzt.

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