ausbildungsstellen.de Azubi Ratgeber Arbeitskleidung: Was darf der Arbeitgeber vorschreiben?

Arbeitskleidung: Was darf der Arbeitgeber vorschreiben?

Arbeitskleidung: Was darf der Arbeitgeber vorschreiben?
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Inhalt:
  1. Arbeitskleidung: Was ist darunter zu verstehen?
  2. Was ist Berufskleidung?
  3. Was ist Arbeitsschutzkleidung?
  4. Kosten für Schutzkleidung
  5. Kosten für Arbeitskleidung von der Steuer absetzen
  6. Schutzkleidung in verschiedenen Branchen
  7. Wer bestimmt die Kleidungsvorschrift am Arbeitsplatz?
  8. Wo sind die Grenzen der Kleiderordnung im Job?
  9. Darf der Arbeitnehmer das Tragen der Arbeitskleidung ablehnen?
  10. Arbeitskleidung verweigern: Seltene Ausnahmen im Berufsleben

Es gibt Arbeitskleidung in bestimmten Branchen und Berufszweigen, die Klassiker sind wohl die Uniformen von Polizei und Feuerwehr. Aber darf dein Arbeitgeber dir allgemein vorschreiben, was du während der Arbeit zu tragen hast? Was ist erlaubt und was überschreitet die Befugnis des Arbeitgebers? Gibt es vielleicht sogar Pflichten für den Arbeitnehmer in Bezug auf Arbeitskleidung? Es folgen die wichtigsten Fakten rund um Arbeitskleidung im Job.

Arbeitskleidung: Was ist darunter zu verstehen?

Vermutlich umfasst der Begriff Arbeitskleidung im alltagssprachlichen Gebrauch allgemein die Kleidung, welche während der Arbeit getragen wird. In einigen Berufen ist es für die Angestellten relevant was getragen wird, in anderen eher weniger.
So gibt es Berufe, in denen bestimmte Bekleidung vorgeschrieben ist. Unterschieden wird zwischen folgender Bekleidung im Arbeitsalltag:

  • Dienst- oder Berufsbekleidung
  • Arbeitskleidung
  • (Arbeits)schutzkleidung

Allgemein fällt unter Arbeitskleidung wohl sämtliche Kleidung, die du als Angestellter oder Azubi während der Arbeit trägst. Eine relevante Rolle hat die Kleidung im Grunde nur, wenn es sich um Beruf- bzw. Dienstkleidung oder um Arbeitsschutzkleidung handelt.

Was ist Berufskleidung?

Berufskleidung wird häufig vom Arbeitgeber vorgeschrieben und ist somit während der gesamten Arbeitszeit zu tragen. Durch die Berufskleidung wird ein einheitliches Erscheinungsbild der Angestellten geschaffen und Außenstehende können die Berufsausübenden sofort einem Unternehmen oder eine Berufsgruppe zuordnen.

Bekannte Beispiel für Berufsbekleidung sind in der Medizin, Pflege, Gastronomie sowie im Militär, bei der Polizei und Feuerwehr zu finden.
Eine gesetzliche Regelung für das Tragen der Berufskleidung gibt es nicht, jedoch kann dazu eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag bzw. Tarifvertrag getroffen werden.

Was ist Arbeitsschutzkleidung?

Bei der Arbeitsschutzkleidung handelt es, wie der Name schon vermuten lässt, um Bekleidung, die während der Arbeit einen gewissen Schutz vor Gefahren garantiert. Im Vergleich zur Berufskleidung gibt es für die Arbeitsschutzkleidung klare Regelungen im Arbeitsschutzgesetz sowie in der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Benutzung persönlicher Schutzausrüstung bei der Arbeit (PSA-Benutzerverordnung.) Der Arbeitgeber ist also in bestimmten Berufen dazu verpflichtet, Schutzkleidung vorzuschreiben. Hierbei geht es nicht um ein einheitliches Erscheinungsbild, sondern um den Schutz des Beschäftigten.

Durch Schutzkleidung wird der Träger geschützt, dazu zählt zum Beispiel eine Schutzbrille beim Schweißen, Sicherheitsschuhe in der Produktion oder Helme auf der Baustelle. Auch die Einsatzkleidung der Feuerwehr fällt unter Arbeitsschutzkleidung.

Kosten für Schutzkleidung

Ist das Tragen von Schutzkleidung aus Schutzgründen oder hygienerechtlichen Bestimmung vorgeschrieben, steht der Betrieb in der Pflicht diese Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen oder die Kosten zu übernehmen. Hier greift die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Möchtest du die Arbeitsschutzkleidung auch in deiner Freizeit tragen, kann der Arbeitgeber mit dir über eine Kostenbeteiligung sprechen.

Da der Arbeitgeber die Kosten der Schutzkleidung übernimmt, bleibt dieser im Prinzip auch Eigentümer der Bekleidung. Nach deiner Ausbildung müsstest du im Grunde deine Schutzbekleidung zurückgeben.  Erkundige dich deshalb zum Ende deiner Ausbildung, ob dein Betrieb die Schutzkleidung wiederhaben möchte oder keine Verwendung dafür sieht.

Kosten für Arbeitskleidung von der Steuer absetzen

Nutzt du die Kleidung ausschließlich beruflich und stellt der Arbeitgeber diese nicht zur Verfügung oder übernimmt die Kosten, kannst du diese als sogenannte Werbungskosten von der Steuer absetzen. Als Arbeitskleidung in diesem Sinne gilt z.B. ein Arztkittel.
Im weiteren Sinne gehört zur Arbeitskleidung Berufsbekleidung und Schutzkleidung. Kleidung die ausschließlich zur Arbeit getragen wird, zählt als Arbeitskleidung. Der Pullover oder die Bluse, welche du durchaus auch in der Freizeit trägst, zählt nicht zur Arbeitskleidung.
Schutzkleidung nicht getragen: Hat es arbeitsrechtliche Folgen?

Bekommst du als Arbeitnehmer Schutzkleidung gestellt, ist es deine Pflicht diese zu tragen. Trägst du die gestellte Arbeitsschutzkleidung trotz Abmahnung nicht, hat dein Arbeitgeber im Prinzip das Recht, eine Kündigung auszusprechen.
Andersherum kannst du die Arbeit verweigern, falls dir dein Arbeitgeber nicht die notwendige Arbeitsschutzkleidung zur Verfügung stellt. Erleidest du einen Unfall aufgrund der fehlenden Schutzkleidung, kannst du Schadensersatz von deinem Arbeitgeber verlangen.

Schutzkleidung in verschiedenen Branchen

Je nach Branche ist es Pflicht Schutzkleidung zu tragen. Üblicherweise ist ein Helm auf Baustellen Pflicht, in der Bankfiliale hingegen nicht. Klingt eigentlich ziemlich logisch. Berufe und Branchen unterliegen der sogenannten Gefährdungssituation. Arbeitgeber müssen die branchenüblichen Hygiene- und Unfallverhütungsvorschriften einhalten und umsetzen. Schutz von Gesundheit und Sicherheit der Angestellten hat in den Branchen höchste Priorität.

Branchen und Berufe mit Schutzkleidung:

  • Schutzkleidung im technischen Bereich: In diesem Bereich fallen viele verschiedene Berufe, so zum Beispiel Elektriker, Schweißer, Angestellte in einer Gießerei und Feuerwehrleute. So zählen bei der Feuerwehr der Atemschutz sowie hitzefeste und feuerbeständige Arbeitsanzüge wohl zur logischen Selbstverständlichkeit.
  • Schutzkleidung bei der Feuerwehr und beim Katastrophenschutz: Jeder weiß, dass es sich bei der Tätigkeit als Feuerwehrmann/-frau oder Beschäftigter im Katastrophenschutz um einen gefährlichen Job handelt. Ohne Arbeitsschutzkleidung wäre eine Selbstgefährdung garantiert, immerhin kann kein Mensch einfach so durch Feuer gehen. Gummistiefel, Schutzhandschuhe, Sicherheitsschuhe, Feuerwehrschutzanzug, Kontaminationsschutzkleidung und der Sicherheitshelm mit Nackenschutz gehören zur Grundausrüstung und dienen der Sicherheit.
  • Schutzkleidung im medizinischen Bereich: Hierbei steht der Schutz vor Ansteckung im Vordergrund. Somit muss die Kleidung den Hygienevorschriften entsprechen und keimfrei gehalten werden durch regelmäßige Säuberungen, Sterilität und häufigen Wechsel der Schutzbekleidung. So werden vielen Schutzbekleidungen im medizinischen Bereich nach einmaliger Benutzung entsorgt, wie z.B. Handschuhe, Kopfhaube und Mundschutz.
  • Schutzkleidung in Gärtnerei und Forstwirtschaft: In diesem Berufsbereich gibt es wohl viele potenzielle Gefahrenquellen, so zählt der Umgang von Motorsäge bis Trecker und scharfen Werkzeugen zum Berufsalltag. So ist spezielle Schutzkleidung gefragt, etwa Bekleidung die speziell gegen Verletzungen durch Motorsägen schützen soll.
  • Schutzkleidung im Bauwesen: Atemschutz, Handschuhe, Schutzhelm und Sicherheitsschuhe gehören zur Grundausrüstung eines Beschäftigten im Bauwesen.
  • Schutzkleidung im Handwerk: In vielen Handwerksberufen zählt der Blaumann nicht nur zur Dienstkleidung, um eine Einheit zu symbolisieren, gleichzeitig ist diese Bekleidung auch Schutzkleidung. Für verschiedene Berufe gibt es den Blaumann mit unterschiedlichen Funktionen und Stoffen, sodass diese z.B. nur schwer entflammbar sind und etwa Monteure und KFZ-Mechaniker vor Verletzungen schützen. Handschuhe, Schutzbrille, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe und der Blaumann gehören zur Schutzkleidung im Handwerk.

Wer bestimmt die Kleidungsvorschrift am Arbeitsplatz?

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber eine Kleiderordnung festlegen, doch dieser kann die Vorgaben nach eigenem Belieben freigestalten. Mitspracherecht in Sachen Kleidung am Arbeitsplatz hat der Betriebsrat. Gemeinsam werden Vorschriften und eventuell eine Kleiderordnung festgelegt.
Natürlich sollte die Kleidervorschrift nicht ihre Persönlichkeit angreifen, angemessen sein und keine Grenzen überschreiten.

Wo sind die Grenzen der Kleiderordnung im Job?

Es ist gar nicht so leicht, festzulegen, wann der Arbeitgeber eine Grenze überschreitet oder nicht. Arbeitest du in einer Branche, in der ein Hosenanzug oder Kostüm zur Tagesordnung zählen, musst du diese Kleidung auch tragen. Oder hast du schonmal eine Stewardess in Freizeitkleidung gesehen oder einen Angestellten in der Bank mit T-Shirt und Jeans?

Unterwäsche und Strümpfe im Job: Natürlich darfst du gerne unter deinem schwarzen Kostüm eine rosa Blümchen Unterwäsche tragen. Grundsätzlich darf der Arbeitgeber aber vorschreiben, dass zum Schutz der Dienstkleidung und aus Hygienegründen überhaupt Unterwäsche und Socken getragen werden. Ebenfalls darf bei weißer Dienstkleidung kein buntes Höschen durchschimmern, dadurch sollen Anstößigkeiten vermieden werden. Im Grunde ist es aber schwierig das alles zu kontrollieren.

Schuhe im Job: Solange keine Sicherheitsschuhe notwendig sind, kannst du deine liebsten Treter tragen. Trotzdem solltest du daran denken, dass offene Schuhe oder gar Flipflops nicht gerne gesehen werden.

Darf der Arbeitnehmer das Tragen der Arbeitskleidung ablehnen?

Grundsätzlich darfst du Arbeitskleidung nicht verweigern, da du ansonsten einer Dienstanweisung nicht nachkommst und Abmahnungen riskierst. Schlussendlich kann sogar eine Kündigung erfolgen, wenn du dich weigerst die vorgeschriebene Arbeitskleidung zu tragen. Zu einigen Berufen gehört eine spezielle Kleidung und das sollte dir vor Berufsbeginn oder deiner Ausbildung bewusst sein. Und auch, als Büroangestellte/r kann dein Arbeitgeber ein gepflegtes und schickes Outfit verlangen. Hältst du dich nicht an diese Vorgaben, verstößt du grundsätzlich gegen die Vorschriften deines Arbeitgebers.

Arbeitskleidung verweigern: Seltene Ausnahmen im Berufsleben

Es gibt seltene Ausnahmen, da darf der Arbeitnehmer das Tragen der ausgewählten Arbeitskleidung ablehnen. Entspricht Dienstkleidung etwa einem bestimmten Marketingkonzept kann diese abgelehnt werden, wenn dadurch das allgemeine Persönlichkeitsrecht verletzen (Art. 2 Abs 1 GG).
In seltenen Fällen darf die Arbeitskleidung auch aus religiösen Gründen abgelehnt werden. So darf ein Beschäftigter in der Küche, welcher der Glaubensgemeinschaft der Sikhs angehört, statt einer Papiermütze einen Turban tragen.

Wie du siehst, ist das mit der Arbeitskleidung im Grunde gar nicht so schwierig: Schreibt dir der Arbeitgeber vor, was du zu tragen hast, solltest du diesen Vorgaben auch nachkommen. Natürlich darf dabei nicht dein Persönlichkeitsrecht verletzt werden. In einigen Berufen ist eine Berufsbekleidung und Arbeitsschutzkleidung verpflichtend, das sollte dir vor Jobantritt bewusst sein.

Bild: Anastasia Johlen
Anastasia Johlen (40 Artikel) Anastasia Johlen hat Germanistische Sprachwissenschaften und Literaturwissenschaften in Paderborn studiert. Während ihres Studiums hat sie bereits in journalistischen Redaktionen als freie Mitarbeiterin gearbeitet. Moderationen, Nachrichten und Artikel: alles kein Problem. Texten war schon immer ihre Leidenschaft. Auf ausbildungsstellen.de ist sie für den Bereich rund um Berufseinstieg, Büroalltag und Work-Life-Balance zuständig. Letzte Artikel
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