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Ausbildung verkürzen? So geht’s

Ausbildung verkürzen? So geht’s
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Inhalt:
  1. Unter welchen Umständen kann ich meine Ausbildungszeit verkürzen?
  2. Was gibt es bei der verkürzten Ausbildungszeit zu beachten?
  3. Wie kann ich die Ausbildungszeit verkürzen?
  4. Welche Möglichkeiten zur Verkürzung der Ausbildungszeit gibt es?
    1. Abgebrochene oder abgeschlossene Ausbildung in einem ähnlichen Bereich
    2. Höhere Schulbildung
    3. Vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung
    4. Verkürzung aufgrund von Berufserfahrung
  5. Welche Vorteile hat eine verkürzte Ausbildungszeit
  6. Fazit

Wenn du schon vor deiner Ausbildung eine höhere Schulbildung absolviert hast oder gar in deinem Ausbildungsbereich tätig warst, dann stehen die Chancen gut, dass du deine Ausbildung verkürzen kannst. Eine verkürzte Ausbildungsdauer bedeutet für dich dabei nicht nur einen früheren Einstieg in das echte Berufsleben, sondern auch finanzielle Vorteile. Doch welche Regeln, Besonderheiten und Fristen sind bei einer verkürzten Ausbildung zu beachten und um wie viele Monate oder Jahre kann die Ausbildungszeit überhaupt reduziert werden?

Unter welchen Umständen kann ich meine Ausbildungszeit verkürzen?

Die Dauer deiner Ausbildung ist in der Ausbildungsordnung festgelegt und beträgt in der Regel je nach gewählter Branche, zwischen 1 und 3,5 Jahren. Die reguläre Ausbildungsdauer kann jedoch aus unterschiedlichen Gründen verkürzt werden, sofern sichergestellt ist, dass du die Ausbildungsziele dennoch erreichst. Die rechtliche Grundlage für diese Option bildet das Berufsbildungsgesetz, wobei du keinen Rechtsanspruch auf eine verkürzte Ausbildungsdauer hast. Du hast lediglich die Möglichkeit, aufgrund deiner Vorkenntnisse eine Verkürzung zu beantragen. Ob diesem Antrag stattgegeben wird, entscheidet schlussendlich die zuständige Stelle.

Was gibt es bei der verkürzten Ausbildungszeit zu beachten?

Unabhängig von deiner Vorbildung, dürfen bestimmte Mindestausbildungszeiten nicht unterschritten werden. Die Mindestausbildungszeiten sind dabei abhängig von der Ausbildungsdauer deines gewählten Berufs.

  • Regelausbildungszeit 3,5 Jahre: Mindestausbildungszeit 2 Jahre
  • Regelausbildungszeit 3 Jahre: Mindestausbildungszeit 1,5 Jahre
  • Regelausbildungszeit 2 Jahre: Mindestausbildungszeit 1 Jahr

Wie kann ich die Ausbildungszeit verkürzen?

Damit du deine Ausbildungszeit reduzieren kannst, musst du gemeinsam mit deinem Auszubildenden einen Antrag bei der zuständigen Stelle einbringen. Grundsätzlich ist es ratsam, den Antrag schon zu Beginn der Ausbildung zu stellen. Es ist jedoch auch möglich, den Antrag bis zu einem Jahr vor dem Abschluss deiner Ausbildung einzureichen. Die Verkürzung wird nach der Genehmigung in deinem Ausbildungsvertrag vermerkt und ist somit für die Dauer deiner Ausbildung gültig. Wichtig ist hierbei, dass dein Ausbildungsbetrieb der Verkürzung zustimmt und ihr gemeinsam im Antrag sicherstellen könnt, dass du durch die Verkürzung der Ausbildungszeit die Ausbildungsziele dennoch erreichst. Wenn du noch nicht volljährig bist, muss der Antrag zudem von einem deiner Erziehungsberechtigten unterschrieben werden. Welche Stelle deinen Antrag bearbeitet, hängt von der Branche ab, in welcher du tätig bist. So kann je nach Tätigkeit die Kammer für freie Berufe oder auch die Handwerkskammer über deinen Antrag entscheiden.

Welche Möglichkeiten zur Verkürzung der Ausbildungszeit gibt es?

Zur Verkürzung deiner Ausbildungszeit stehen dir mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Nicht jede dieser Möglichkeiten bringt dir jedoch unmittelbar eine höhere Ausbildungsvergütung und nicht jede vorherige Tätigkeit wird zu Gänze angerechnet.

Abgebrochene oder abgeschlossene Ausbildung in einem ähnlichen Bereich

Wenn du schon einmal eine Ausbildung in einem ähnlichen Bereich begonnen hast, so wird dir diese Ausbildungszeit auf deine aktuelle Ausbildung angerechnet und als absolvierte Ausbildungszeit gezählt. Du kannst dir jedoch nicht jede Ausbildung anrechnen lassen. Hast du beispielsweise zuvor eine Ausbildung zur Friseurin absolviert und möchtest nun Kfz-Mechanikerin werden, so werden dir keine Ausbildungszeiten angerechnet, da die beiden Berufe nicht miteinander verwandt sind.

Höhere Schulbildung

Auch wenn du über einen höheren Schulabschluss verfügst, der über den Hauptschulabschluss hinausgeht, kannst du einen Antrag auf die Verkürzung deiner Ausbildungszeit stellen. Hast du beispielsweise einen Realschulabschluss in der Tasche, so kann sich deine Ausbildungszeit um bis zu 6 Monate verkürzen. Verfügst du gar über Abitur oder eine Fachhochschulreife, dann besteht die Chance, deine Ausbildungszeit um bis zu 12 Monate zu reduzieren. Wie viele Monate dir tatsächlich angerechnet werden, hängt jedoch von der Art deiner Ausbildung und von deinem erworbenen Abschluss ab. Zudem hast du mit einer höheren Schulbildung keinen Anspruch auf eine höhere Ausbildungsvergütung.

Vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung

Eine weitere Möglichkeit, um deine Ausbildung zu verkürzen, ist die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung. Diese Zulassung bekommst du jedoch nur, wenn du während deiner Ausbildung mit sehr guten Leistungen glänzt. Für eine überdurchschnittliche Leistung muss dein Notendurchschnitt besser als 2,49 sein und auch während deiner Ausbildung müssen deine Leistungen mit über 2,49 beurteilt werden. Deine Ausbildung endet dann mit der positiven Absolvierung der Abschlussprüfung.

Verkürzung aufgrund von Berufserfahrung

Eine Verkürzung der Ausbildungszeit ist auch dann möglich, wenn du bereits über Berufserfahrung verfügst. Deine Erfahrung muss jedoch in einem verwandten Berufsfeld liegen und du musst zumindest das 1,5-Fache deiner Ausbildungszeit in diesem Beruf verbracht haben. Wenn du beispielsweise 5 Jahre als Kellnerin gearbeitet hast und dich dann entscheidest, eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau zu absolvieren, stehen deine Chancen gut, dass dir ein Teil deiner Berufserfahrung als Ausbildungszeit angerechnet wird.

Welche Vorteile hat eine verkürzte Ausbildungszeit

Eine Verkürzung der Ausbildungsdauer bringt nicht nur dir, sondern auch dem Unternehmen, welches dich ausbildet, eine Reihe an Vorteilen. Hast du beispielsweise deine alte Ausbildung nach einem Jahr abgebrochen und beginnst eine neue Ausbildung im gleichen Bereich, so hast du Anspruch auf die Vergütung des zweiten Ausbildungsjahres. Im Gegensatz dazu freut sich dein Ausbildungsbetrieb über deinen frühzeitigen Abschluss, da er dich dann schneller als vollwertige Arbeitskraft einsetzen kann. Zudem kannst du dich nach dem Abschluss deiner Ausbildung auch um eine neue Stelle umsehen, die vielleicht besser bezahlt ist oder eine weitere Ausbildung absolvieren. Mit einer fertigen Ausbildung stehen dir alle Türen offen und je zügiger du diese abschließt, desto mehr kannst du davon profitieren.

Fazit

Wie du siehst, ist es gar nicht so schwer, die Ausbildungszeit zu verkürzen. Da die Regelungen jedoch von Bundesland zu Bundesland ein wenig unterschiedlich sind, ist es ratsam, dass du dich schon vorab über die gesetzlichen Regelungen und Möglichkeiten in deinem Bundesland informierst. Du solltest zudem bedenken, dass du auch unterschiedliche Möglichkeiten der Ausbildungszeitverkürzung miteinander kombinieren kannst, solange du die Mindestausbildungszeit nicht unterschreitest.

Bild: Tanja Tänzer
Tanja Tänzer (32 Artikel) Tanja Tänzer hat Medien- und Kommunikationsmanagement an der Mediadesign Hochschule in Berlin studiert. Während Ihres Studiums hat sie bei verschiedenen Internetunternehmen im Bereich Content Management und Redaktion gearbeitet. Seit kurzem unterstützt Sie das Team von ausbildungsstellen.de mit täglich knackig frischen News und Artikeln für unsere Leserschaft. Letzte Artikel
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