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Big Five: So hängen Persönlichkeit und beruflicher Erfolg zusammen!

Big Five
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Inhalt:
  1. Persönlichkeit: Was ist das eigentlich?
  2. Die menschliche Persönlichkeitsentwicklung
  3. Was sind die Big Five der Persönlichkeit?
  4. Mit Persönlichkeit zum Erfolg: Die Big Five in der Berufswelt
    1. Faktor 1: Offenheit für Erfahrungen – neugierig oder engstirnig?
    2. Faktor 2: Gewissenhaftigkeit – gründlich oder achtlos?
    3. Faktor 3: Extraversion – kontaktfreudig oder zurückhaltend?
    4. Faktor 4: Verträglichkeit – umgänglich oder kompliziert?
    5. Faktor 5: Neurotizismus – sensibel oder selbstsicher?
  5. Welche der Faktoren sind besonders entscheidend für den beruflichen Erfolg?

In der Suche nach einem Job, einer Ausbildung oder einem Praktikum ist neben deinen bisherigen bildungsbezogenen Leistungen und deiner beruflichen Erfahrung auch deine Persönlichkeit von großer Bedeutung. Sie gibt Arbeitgebern und Personalverantwortlichen die Möglichkeit, Bewerber voneinander zu unterscheiden und aufgrund ihrer Eigenschaften, Verhaltensweisen und Denkmuster zu beurteilen. Um Persönlichkeitsmerkmale näher zu untersuchen, wird in der Berufswelt häufig das Modell der Big Five verwendet. Wir erklären dir im Folgenden, was darunter zu verstehen ist und wie Persönlichkeit und beruflicher Erfolg dementsprechend zusammenhängen.

Persönlichkeit: Was ist das eigentlich?

Der Begriff Persönlichkeit leitet sich vom lateinischen Wort „Persona“ ab, welches die Maske im Theater beschriebt, die der Darsteller trägt, um eine Rolle zu verkörpern oder seine Identität vor dem Publikum zu verhüllen.

Folgt man der Etymologie des Begriffs, beschäftigt sich die Persönlichkeitsforschung mit der genauen Untersuchung dieser „Masken“, die Menschen in ihrem Alltag tragen. Diese sind nichts anderes als Rollen, die Menschen in der Gesellschaft verkörpern sowie ihre inneren psychologischen Erfahrungen, die auch mit dem Begriff des „Selbst“ beschrieben werden.

Einfach gesagt ist Persönlichkeit die Gesamtheit aller Denkmuster, Gefühle, Einstellungen und Verhaltensweisen, die eine Person einzigartig machen und sie von anderen unterscheidet. Es wird angenommen, dass sich Persönlichkeit unabhängig vom Außen, viel eher von innen heraus entwickelt und das gesamte Leben nahezu gleich bleibt. Doch wie genau setzt sich unsere Persönlichkeit eigentlich zusammen?

Die menschliche Persönlichkeitsentwicklung

Die Persönlichkeit des Menschen lässt sich allgemein als ein Zusammenspiel aus den vorhandenen Eigenschaften und Denkmustern beschreiben und schließt zudem die folgenden grundlegenden Charakteristika mit ein:

  • Beständigkeit – Das Verhalten von uns Menschen beruht auf einer erkennbaren Ordnung und Regelmäßigkeit. Im Allgemeinen verhalten wir uns immer in ähnlicher Weise und bleiben diesen Mustern meist in unterschiedlichen Situationen treu.
  • Psychologie und Physiologie – Persönlichkeit ist ein psychologisches Konstrukt, dass der Wissenschaft nach jedoch ebenso durch biologische Prozesse und physische Bedürfnisse geformt wird.
  • Verhalten und Handeln – Die Persönlichkeit beeinflusst nicht nur, wie wir uns bewegen und auf unser Umfeld reagieren, sondern veranlasst uns zudem, auf äußere Umstände in bestimmter Weise zu reagieren.
  • Vielfältige Ausdrucksformen – Neben dem Verhalten sind auch unsere Gefühle, Gedanken, Beziehungen und allgemeine soziale Interaktionen ausschlaggebend für die Entfaltung unserer Persönlichkeit.

Was sind die Big Five der Persönlichkeit?

Die Big Five der Persönlichkeit sind auch als Fünf-Faktoren-Modell (FFM) und im englischen Sprachraum als OCEAN-Modell bekannt. Das Wort OCEAN ist ein Akronym aus den fünf elementaren Bestandteilen des Persönlichkeitsmodells: Openness, Conscientiousness, Extraversion, Agreeableness und Neuroticism. Diese fünf Faktoren lassen sich der Theorie nach in jeder Persönlichkeit finden und der Intensität nach beurteilen.

Seinen Ursprung hat das Modell in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Seitdem wurde es immer wieder von unterschiedlichen Wissenschaftlern aufgegriffen. Im Jahr 1993 hat der Persönlichkeitsforscher Lewis Goldberg das Konzept weiterentwickelt und schließlich in allen Bereichen der Öffentlichkeit eingeführt. So findet das bekannteste Modell der Persönlichkeitsforschung auch im Personalmanagement Anwendung und wird von vielen Arbeitgebern bereits eingesetzt, um Bewerber zu beurteilen.

Mithilfe der Big Five des Fünf-Faktoren-Modells lässt sich die Persönlichkeit eines Menschen anhand einer Skala auf fünf Ebenen in der jeweiligen Ausprägung beurteilen. Hier noch einmal die Big Five im Überblick:

  1. Offenheit für Erfahrungen (Openness)
  2. Gewissenhaftigkeit (Conscientiousness)
  3. Extraversion (Extraversion)
  4. Verträglichkeit (Agreeableness)
  5. Neurotizismus (Neuroticism)

Mit Persönlichkeit zum Erfolg: Die Big Five in der Berufswelt

Ganz gleich, ob du einen Ausbildungsplatz, eine Praktikumsstelle oder einen neuen Job suchst – deine Persönlichkeit beeinflusst deinen beruflichen Erfolg maßgeblich. Das liegt zuerst einmal daran, dass du dich in Abhängigkeit von deinen Einstellungen und Verhaltensmustern für einen bestimmten Lebensweg entscheidest.

Ebenso wie deine Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen, für welchen Beruf du dich entscheidest, sehen auch Unternehmen und Arbeitgeber die Persönlichkeit als einen entscheidenden Faktor im Recruitment-Prozess. Um einen Bewerber als geeignet für eine Lehrstelle oder eine Position zu beurteilen, werfen viele Personalverantwortliche inzwischen einen genauen Blick auf die Big Five.

Damit du verstehst, inwiefern die fünf Faktoren der Persönlichkeit deinen beruflichen Erfolg beeinflussen, geben wir dir nun einen dezidierten Überblick über das Modell und die fünf verschiedenen Faktoren.

Faktor 1: Offenheit für Erfahrungen – neugierig oder engstirnig?

Der erste Faktor des Modells bestimmt das Spektrum mentaler Erfahrungen und der Vorstellungskraft. Zudem umfasst es die Bereitschaft einer Person, neue Dinge auszuprobieren und die eigene Kreativität zu leben. Offenheit spiegelt den intellektuellen Wissensdurst und die Wertschätzung von Kunst, Kulturen, Emotionen und Abenteuern wider. Des Weiteren gibt dieser Bereich der Persönlichkeit Aufschluss darüber, wie fantasievoll, spontan und unabhängig eine Person ist.

Ein hohes Maß an Offenheit kann allerdings in gewisser Weise eine Unberechenbarkeit mit sich bringen und dazu führen, dass eine Person schnell den Fokus verliert und sich eher in riskante und grenzwertige Situationen begibt. Eine Persönlichkeit mit geringer Offenheit für Erfahrungen hat hingegen eine starke Ausdauer und einen ausgeprägten Sinn für Pragmatismus und Fakten. Nicht selten werden diese Eigenschaften jedoch als dogmatisch oder engstirnig wahrgenommen.

Faktor 2: Gewissenhaftigkeit – gründlich oder achtlos?

Als zweiter Faktor der Big Five wird das Persönlichkeitsmerkmal beschreiben, das Aufschluss über das Verantwortungsbewusstsein und die Zuverlässigkeit einer Person gibt. Je stärker die Gewissenhaftigkeit augeprägt ist, desto zielstrebiger, disziplinierter und kontrollierter verhält sich die Person.

Eine sehr gewissenhafte Persönlichkeit wird nicht selten als etwas stur und hartnäckig erlebt, wohingegen geringe Gewissenhaftigkeit mit Flexibilität sowie Spontanität in Verbindung gebracht wird und infolgedessen unzuverlässig und achtlos wirken kann. Die Gewissenhaftigkeit einer Person entscheidet in der Praxis in etwa darüber, wie erfolgreich jemand in seiner beruflichen Laufbahn ist und wie geeignet die Person für eine Führungsrolle ist.

Faktor 3: Extraversion – kontaktfreudig oder zurückhaltend?

Der dritte Charakterzug zeigt, wie aufgeschlossen, begeisterungsfähig und kontaktfreudig eine Person im Kern ist. Ebenso umfasst dieser Faktor eine extrovertierte oder introvertierte Tendenz, im Kontakt und in Gesprächen mit Mitmenschen oder eher in der Isolation Energie zu tanken. Ein zu hohes Maß an Extraversion wird häufig als egozentrisches und dominantes Verhalten beschrieben. Geringe Extraversion hingegen bringt nicht selten Zurückhaltung und eine gewisse Unnahbarkeit mit sich.

Faktor 4: Verträglichkeit – umgänglich oder kompliziert?

Der vierte Faktor der Big Five steht in direktem Zusammenhang mit der Empathie einer Person. Je verträglicher eine Person ist, desto mitfühlender und kooperativer verhält sie sich gegenüber anderen Menschen. Außerdem kann anhand des Merkmals gemessen werden, wie stark das Vertrauen in andere ist und wie ausgeglichen die Persönlichkeit tatsächlich ist.

Eine sehr hohe Verträglichkeit zeigt sich eventuell in Form von Naivität oder Unterwürfigkeit. Im Gegenzug neigt eine Person mit geringer Verträglichkeit eher dazu, gerne im Wettbewerb teilzunehmen und damit schnell in Konkurrenz zu anderen zu stehen. Sie gilt somit allgemein als streitlustig und unzuverlässig.

Faktor 5: Neurotizismus – sensibel oder selbstsicher?

Der letzte maßgebliche Persönlichkeitsfaktor kann auch als emotionale Stabilität betrachtet werden. Sie misst demnach, wie kontrolliert der Umgang einer Person mit den eigenen Emotionen wie Wut, Verletzlichkeit, Angst oder Traurigkeit ist. Ein hoher Neurotizismuswert zeigt sich meist in ausgeprägter Nervosität und Reizbarkeit, wohingegen sich ein niedriger Wert in unsicherem und instabilem Verhalten widerspiegelt. Ist das Merkmal einer Persönlichkeit besonders stark ausgeprägt, zeigt sich häufig ein Zusammenhang mit schlechtem psychischem Wohlbefinden.

Welche der Faktoren sind besonders entscheidend für den beruflichen Erfolg?

Es hat sich gezeigt, dass insbesondere die Gewissenhaftigkeit darüber entscheidet, wie erfolgreich die Karriere eines Menschen verläuft. Eine besonders gewissenhafte Person hat demnach meist mehr Fachwissen und bringt die notwendigen Eigenschaften für eine Führungsrolle mit.
Ebenso besteht die Tendenz, den Beruf an erster Stelle zu sehen und dabei andere Bereiche des Lebens zu vernachlässigen. Somit besteht auch die Gefahr, den Lernprozess des Lebens und die eigene Kreativität aus den Augen zu verlieren und sich lediglich auf die Leistung und Performance am Arbeitsplatz zu fokussieren.

Die anderen vier Faktoren können grundsätzlich als Stärken betrachtet werden, insofern sie der Persönlichkeit im richtigen Verhältnis zugrunde liegen. Menschen mit ausgeprägter Extraversion und Offenheit eignen sich beispielsweise besser für Führungspositionen und haben häufig langfristig und nachhaltig Erfolg im Job.

Menschen mit einer emotional stabilen und verträglichen Persönlichkeit haben es im Beruf leichter, mit Konflikten umzugehen und sind allgemein zufriedener im Leben. Der vierte sowie fünfte Faktor der Big Five entscheidet somit auch darüber, wie teamfähig eine Person letztendlich ist.

Die Persönlichkeit eines Menschen lässt sich nicht wirklich beschreiben oder verändern, – daher ist es umso wichtiger, dass du dir deiner Denkmuster, Verhaltensweisen und Eigenschaften bewusst bist und diese auch in deiner beruflichen Zukunft einsetzen kannst. Wenn du die Relevanz der Big Five verstanden hast und deine eigene Persönlichkeit mit Blick auf das Modell einordnen kannst, bist du optimal auf die Jobsuche und ein eventuelles Vorstellungsgespräch vorbereitet und wirst in deinem zukünftigen Job mit einem klaren Verständnis für dich selbst punkten.

Bild: Lillia Seifert
Lillia Seifert (14 Artikel) Lillia Seifert hat Anglistik und Soziologie studiert und befindet sich derzeit im Masterstudium der Interdisziplinären Medienwissenschaft an der Universität Bielefeld. Schon während des Erststudiums veröffentlichte sie eigene Texte und arbeitete als Social Media Managerin. Mit ihren Kenntnissen aus den verschiedenen Bereichen unterstützt sie das Team von ausbildungsstellen.de durch das Erstellen von Artikeln zu aktuellen Themen. Letzte Artikel
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