ausbildungsstellen.de Azubi Ratgeber Gig-Economy: Nur Trend oder Zukunft der Arbeitswelt?

Gig-Economy: Nur Trend oder Zukunft der Arbeitswelt?

Gig-Economy: Nur Trend oder Zukunft der Arbeitswelt?
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Inhalt:
  1. Begriffsklärung: Gig-Economy, Gig-Working und Gig-Jobs
  2. Welche Vorteile bietet dir eine Beschäftigung als Gig-Worker?
    1. Erfahrungen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern
    2. Flexible Arbeitszeiten: Du entscheidest über Zeit, Ort und Art
    3. Mehr Einkommen durch mehr Arbeitsverhältnisse 
  3. Nachteile, die mit einer Gig-Job Beschäftigung einhergehen
    1. Keine Absicherung im Krankheitsfall und im Alter
    2. Fehlende Sicherheit durch kurzfristige Arbeitsverhältnisse
  4. Festanstellung der Gig-Worker als Alternative?
  5. Was bedeutet diese neue Arbeitsform für die Gesellschaft?
  6. Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Gig-Economy? 
  7. Was zu bedenken ist, wenn du dich für einen Gig-Job interessierst

Die Arbeitswelt unterliegt einem ständigen Wandel. Die fortschreitende Digitalisierung ermöglicht es Arbeitgebern über eine Onlineplattform, Aufträge, oft in Form von Dienstleistungen, anzubieten und Arbeitnehmern diese Aufträge anzunehmen. Im Zuge dessen prägen immer mehr Kurierfahrer, die etwa Essen ausliefern, das Stadtbild in Groß- und Mittelstädten. Das Ausüben von Jobs, die übers Netz vergeben werden, werden als Gig-Jobs bezeichnet. Aber was steckt hinter dieser neuen Arbeitsweise? Und für wen eignet sich eine Beschäftigung als Gig- Worker? 

Begriffsklärung: Gig-Economy, Gig-Working und Gig-Jobs

Die Bezeichnung „Gig“ beschreibt die Arbeitsverhältnisse in der Gig-Economy, denn als Gig-Worker haben die Arbeitnehmer oft nur einen kurzen bezahlten „Auftritt“ beziehungsweise Auftrag, den sie erledigen. Die Zielgruppe der Gig-Economy sind Freiberufler, Freelancer und Minijobber. 

Als Gig-Economy wird der Teil des Arbeitsmarktes bezeichnet, der kleine kurzfristige Aufträge an Freiberufliche oder Minijobber, mittels einer Onlineplattform, vermitteln. Charakteristisch ist, dass die Auftragnehmer neben ihrer Arbeitskraft weitere Arbeitsutensilien mitbringen, wie das eigene Fahrrad und das Handy beim Fahrradkurier, oder das Auto und das Mobiltelefon bei der Personenbeförderung bei dem amerikanischen Dienstleistungsunternehmen Uber. 

Gig-Jobs beziehen sich auf die konkreten Arbeitsfelder und Tätigkeiten: Dazu zählen unter anderem Lieferdienste, wie Deliveroo oder Foodora, Gastgewerbe zum Besipiel Airbnb und Personenbeförderung, wie das Unternehmen Uber in den USA. Grundsätzlich ist es in jeder Branche möglich Gig-Jobs anzubieten und auszuüben. Lediglich eigene Arbeitsmaterialien, wie das Fahrrad beim Kurierfahrer, und ein Internetzugang sind nötig, um einen Gig-Job ausüben zu können. Designer, Redakteure oder Texter sind auch typische Gig-Worker. 

Der Begriff Gig-Working wird verwendet, wenn Personen ihren kompletten Lebensunterhalt mit solchen Tätigkeiten bestreiten können.  

Welche Vorteile bietet dir eine Beschäftigung als Gig-Worker?

Erfahrungen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern

Die Brachen, in denen Gig-Worker beschäftigt werden, sind sehr unterschiedlich und vielfältig, daraus ergeben sich viele Vorteile. So hast du beispielsweise die Möglichkeit in viele unterschiedliche Tätigkeits- und Arbeitsfelder hineinzuschnuppern, wenn du dir noch unsicher bist, worauf deine berufliche Karriere hinauslaufen soll. Du kannst bei vielen Unternehmen in unterschiedlichen Bereichen Erfahrungen sammeln. Wenn dich der angenommene Auftrag langweilt, kannst du dir sicher sein, dass dieser bald ein Ende hat und du neue Chancen wahrnehmen kannst. 

Flexible Arbeitszeiten: Du entscheidest über Zeit, Ort und Art

Ein großer Vorteil ist die Flexibilität des Gig-Jobs, denn du entscheidest für wen und was du arbeiten möchtest: Jedes Mal aufs Neue. Die Auftragnehmer sind an keinerlei Arbeitsstunden gebunden. Aufgrund deiner Flexibilität und deiner schnell geforderten Arbeitskraft bist du in einer guten Verhandlungsposition, sodass du mit den Arbeitgebern über das Gehalt bei längerfristigen Beschäftigungen verhandeln kannst. Oft erfolgt die Bezahlung auf Stundenlohnbasis, aber auch hier bist du im Vorteil, denn die Auftraggeber sind auf deine Arbeitskraft angewiesen. Das gilt besonders für einen Gig-Job, der kurzfristig erledigt werden soll. 

Dass die Arbeitszeiten flexibel von dir eingeteilt werden können und du auch entscheidest für wen du arbeitest, wirkt sich positiv auf deine Work-Life-Balance aus. Du hast es in der Hand wann und wo du arbeiten möchtest und kannst dich auch für ein Nein entscheiden, wenn dir der angebotene Job nicht zusagen sollte. 

Mehr Einkommen durch mehr Arbeitsverhältnisse 

Dadurch dass die meisten Gig-Jobs auf Teilzeit ausgelegt sind, ist es möglich diese Tätigkeit neben der eigentlichen beruflichen Anstellung auszuüben. So ein „doppeltes“ Beschäftigungsverhältnis ist seit der Weltwirtschaftskrise 2009 in den USA üblich. Dort waren die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die den Arbeitsmarkt erschütterte, besonders zu spüren. So begannen viele Menschen freiberuflich tätig zu sein. Der Begriff der Gig-Economy wurde Im Laufe der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 geprägt. 

Nachteile, die mit einer Gig-Job Beschäftigung einhergehen

Keine Absicherung im Krankheitsfall und im Alter

Die Arbeitskräfte sind in der Regel nicht festangestellt, sondern lediglich als Freelancer oder Freiberufler für einen Auftrag beschäftigt und werden dementsprechend pro Auftrag bezahlt. Da sie keine Festangestellten sind, hat das zur Folge, dass sie kein festes oder geregeltes Einkommen haben und weder im Krankheitsfall noch im Alter finanziell abgesichert sind. Viele allein tätige Selbstständige verdienen so wenig Geld, dass sie nicht dazu im Stande sind Geld fürs Alter zurücklegen zu können. 

Fehlende Sicherheit durch kurzfristige Arbeitsverhältnisse

Genauso wie kurzfristige Arbeitsverhältnisse Vorteile sein können, können sie sich auch als nachteilig erweisen. Etwa wenn es um eine gewisse finanzielle Sicherheit geht, wenn du nicht nur für dich selbst sorgst, sondern auch für anderen Menschen, etwa, wenn du eine Familie gründen möchtest. 

Der Gig-Worker hat nicht nur die Freiheit sich immer neue Auftraggeber und Aufträge zu suchen, er hat auch die Pflicht, denn ein „Gig“ reicht oft nicht aus, um das finanzielle Überleben sichern zu können. 

Festanstellung der Gig-Worker als Alternative?

Sollten die Vermittlungsplattformen mehr Verantwortung in Form von Festanstellungen für die Auftragnehmer übernehmen? Mehr Stundenlohn oder eine Prämie, die dann aufs Rentenkonto eingezahlt wird, muss nicht die Lösung sein. Vielmehr liegt es im Interesse der Unternehmen, dass die Auftragnehmer zufrieden sind, denn oftmals sind die Gig- Worker der einzige wirkliche Kontakt zwischen Auftraggeber und Kunde. 

Was bedeutet diese neue Arbeitsform für die Gesellschaft?

Kann die Gig-Economy als etwas fortschrittliches gelten, das den Arbeitnehmern Autonomie und Freiheit garantiert oder läuft sie Gefahr in einer fortschreitenden Prekarisierung zu enden? Mit Freiheit geht auch eine gewissen Unsicherheit einher, das bedeutet für die Freiheit, Aufträge frei wählen zu können, müssen wir die Sicherheit einbüßen, die uns im Krankheitsfall finanziell absichert oder für unser Alter vorsorgt.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der Gig-Economy? 

Durch die technologischen Fortschritte, die es zulassen, dass Onlineplattformen als Arbeitsvermittler agieren und die Bedingungen für das Arbeitsverhältnis festsetzen, läuft die neue Arbeitswelt Gefahr, dass sich diese Unternehmen ein Monopol an Auftragsvermittlung sichern. Uber in den USA erhöhte beispielsweise von 20 Prozent der Abgaben jeder Fahrt, auf 30 Prozent, die der Fahrer pro Fahrt an das Unternehmen abgeben muss. Die Arbeitsbedingungen, beziehungsweise wie viel Abgaben (Uber und Airbnb) an die Vermittler gezahlt werden, werden von den Unternemen, die die Onlineplattformen betreiben, bestimmt. 

Was zu bedenken ist, wenn du dich für einen Gig-Job interessierst

Nach dem Schul- oder Studienabschluss und der beendeten Ausbildung, stellst du dir die Frage, welchen Lebens- und Karriereweg du einschlagen möchtest. Wenn du an einem Gig-Job interessiert bist, solltest du dir einige Fragen stellen bevor du dich dafür entscheidest. 

Wenn du in naher Zukunft eine Familie gründen möchtest, solltest du dir darüber im Klaren sein, dass dies mit einer gewissen finanziellen Sicherheit einhergeht. Der verhältnismäßig häufige Job-Wechsel, so genanntes Jobhopping, ist bei potentiellen zukünftigen Arbeitgebern nicht allzu gerne gesehen. Andererseits hast du durch die Job-Wechsel viele verschiedene Branchen und Arbeitsmodelle kennengelernt, sodass du Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen gesammelt hast. Umfangreiche Erfahrungen gesammelt zu haben und offen für neue Arbeitsalternativen zu sein, ist eine Eigenschaft, die bei vielen Arbeitgebern gewünscht ist.

Alles in Allem spricht viel für eine Tätigkeit in der Gig-Economy, aber genauso viel spricht auch dagegen. Um Erfahrungen in verschiedenen Branchen zu sammeln und in den Arbeitsalltag hineinzuschnuppern, kann das Gig-Working eine gute Alternative zu klassischen Jobs sein. Gig-Jobs sind auch eine attraktive Alternative, um neben dem eigentlich Job eine weitere Tätigkeit auszuüben und damit das Einkommen aufzustocken. 

Bild: Charlotte Lünstroth
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